الثلاثاء، 3 مارس 2015

Ramadan und Fasten (teil 1 von 2): Fasten



Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, kann 29 oder 30 Tage lang sein.  Ein islamischer Monat beginnt mit dem Sehen der neuen Mondsichel am westlichen Horizont, gerade nach Sonnenuntergang.  Muslime suchen am 29ten Tag des Scha´ban, dem achten Monat, am westlichen Horizont nach dem neuen Mond.  Wenn der neue Mond zu sehen ist, hat der Ramadhan mit dem Sonnenuntergang begonnen, aber das Fasten beginnt mit der nächsten Morgendämmerung.  Wenn der neue Mond nicht an diesem 29ten Tag gesehen wird, vervollständigen die Muslime 30 Tage von Scha´ban (dem vorigen Monat) und Ramadhan beginnt am folgenden Tag. 

Die Bedeutung von Ramadhan und Fasten  

Gott sagt im Qur´an: 
“O die ihr glaubt!  Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren.  Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.” (Quran 2:183)
“Der Monat Ramadhan ist es, in dem der Qur´an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung.  Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten.  Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Gott rühmt, dass Er euch rechtgeleitet hat.” (2:185)
Dementsprechend wird der Monat Ramadhan auch der Monat des Qur´an genannt.  Und deshalb rezitieren Muslime in diesem Monat regelmäßig aus dem Qur´an. 

Saum oder Fasten

Saum (Fasten) beginnt mit der Dämmerung und endet mit Sonnenuntergang.  Die Muslime stehen vor der Dämmerung auf, essen Sahur (eine Mahlzeit vor Dämmerung) und trinken eine angemessene Menge Flüssigkeit, um sich auf das Fasten vorzubereiten.  Bei der Dämmerung hört man auf zu essen und zu trinken.  Tagsüber ist kein Essen, Trinken oder Geschlechtsverkehr gestattet.  Zusätzlich muss sich ein Muslim streng an den Moralkodex des Islam halten, denn ein Vergehen kann die Erfordernisse des Fastens brechen. 
Das Fasten im Monat Ramadhan ist eine gottesdienstliche Handlung, die für alle Muslime verpflichtend ist, die die Pubertät erreicht haben.  Frauen, die ihre Menstruation haben oder die sich noch nicht von einer Geburt wieder erholt haben, verlegen das Fasten bis sie ihre normale Verfassung wieder erlangt haben.  Außerdem können diejenigen, die krank oder auf der Reise sind, ihr Fasten verschieben. 
Muslime fasten, weil Gott ihnen befohlen hat, es zu tun.  Allerdings sollen sie auch über den Nutzen des Fastens nachdenken, wie Beherrschung über Hunger, Durst und sexuelle Begierden zu entwickeln, zu üben, ein guter sittsamer Mensch zu sein und seine Aufrichtigkeit gegenüber seinem Schöpfer zu prüfen.  Beim Fasten kann der Muslim wie gewöhnlich seinen Geschäften nachgehen.   
Das Fasten wird unmittelbar nach Sonnenuntergang gebrochen, gewöhnlich, indem man Datteln ißt und Wasser oder Saft trinkt.  Aber es kann jedes erlaubte Nahrungsmittel verwendet werden, um das Fasten zu brechen.  Dann folgt das Maghribgebet (Gebet nach Sonnenuntergang), nachdem man ein vollständiges Mahl zu sich nehmen kann.  Nach einer kurzen Pause gehen die Muslime in die Moschee, um das ´Ischagebet (Spätabendgebet) zu verrichten und dann ein besonderes Gebet das Tarawieh genannt wird. 

Tarawieh

Dieses nächtliche Gemeinschaftsgebet wird nach dem normalen (letzten) Gebet am Abend verrichtet.  Traditionell führt dieses Gebet ein Hafiz des Qur'an – jemand, der den ganzen Qur´an (auf arabisch) auswendig gelernt hat.  Er rezitiert den Qur´an jeden Abend abschnittweise in der richtigen Reihenfolge und vervollständigt die Rezitation des gesamten Qur´an, bevor der Monat Ramadhan zu Ende geht.  Jeder Muslim, der an diesen Gebeten teilnimmt, hat so die Gelegenheit, die Rezitation des gesamten Qur´an innerhalb des Monats zu hören.  Wenn es keinen Hafiz des Qur´an gibt, dann führt der Muslim der Gruppe das Gebet, der am meisten vom Qur´an auswendig weiß und rezitiert seinen Fähigkeiten entsprechend.  Viele islamische Gelehrten berichten von der Sunna (dem Weg des Propheten Muhammad) des Propheten - Gottes Segen und Frieden seien auf ihm – dass er immer in der Nacht allein gebetet hat, sowohl im Ramadhan als auch sonst, und dies war auch die Gewohnheit zahlreicher seiner großen Gefährten.  

Ramadhan Großzügigkeit

Der Monat Ramadhan bringt denen, die Gutes tun, vielfachen Segen.  In diesem Monat sind die Menschen großzügiger, herzlicher, freundlicher und bereitwilliger, gute Taten zu verrichten.  Die Armen und Befürftigen erhalten Essen, Kleidung und Geld von den Gemeinschaftsmitgliedern, denen es besser geht.  Viele Menschen gehen zum Fastenbrechen und zu den Mahlzeiten in die Moschee in ihrer Nachbarschaft.  Leute aus der Nachbarschaft schicken Früchte, Essen und Getränke zur Moschee – die Atmosphäre eines freundlichen Abendessens umgibt sie jeden Abend in diesem Monat.    
Bekannte Wohltäter der muslimischen Gemeinde werden bei Schenkungen von den Bedürftigen umgeben.  Zakat, ein Almosen, das den Besitz reinigt, und Schenkungen werden in dieser Zeit des Jahres gemacht, denn viele Muslime wollen die Gelegenheit der vielfachen Belohnungen von Gott wahrnehmen. 

Ein Tag und eine Nacht im Ramadhan (teil 2 von 2): Gottesdienst in der Nacht

Nach dem Gebet bei Sonnenuntergang kehren die Muslime in ihre Häuser zurück, wo sie wieder eine Kleinigkeit essen oder ihr Abendessen einnehmen.  Allerdings essen die meisten Leute nicht so viel, denn es stört sie sonst später, wenn sie am Gottesdienst teilnehmen wollen, der die Freude des Muslim im Ramadhan darstellt – das Tarawieh Gebet.  Dieses Gebet wird unmittelbar nach dem Nachtgebet gebetet, das verrichtet wird, sobald die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs verschwunden sind, etwas eineinhalb Stunden nach dem Gebet bei Sonnenuntergang.

Das Tarawieh (Nachtgebet)

Das Tarawieh ist ein besonders Gebet, das in der Gemeinschaft gebetet wird.  Es ist ziemlich lang, es dauert von einer Stunde bis eineinhalb Stunden.  In jeder Nacht des Ramadhan wird es verrichtet und die meisten Imame oder Vorbeter versuchen, darin den ganzen Qur´an zu rezitieren.  Darin beten die Muslime zu ihrem Herrn, stehend, sich verbeugend und niederwerfend und erhalten die Gelegenheit den Qur´an im Ganzen zu hören, die Verse melodisch vorgetragen zu bekommen, als wäre er ihnen hier und jetzt offenbart worden.  Moscheen mit erfahrenen Lesern füllen sich schnell, daher kommen die Betenden schon eher, um sich ihre Plätze freizuhalten.  Manche Moscheen fassen über tausend Betende, die aus der ganzen Stadt kommen, um dort am Gebet teilzuhaben.  In der Tat ist es eine Erfahrung auf die man ein ganzes Jahr gewartet hat.  Das Tarawiehgebet ist ein Mittel, um Vergebung zu erlangen, wie der Prophet sagte:
“Wer im Nachtgebet im Ramadhan steht, an Gott glaubt und auf Seinen Lohn hofft, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.” (Sahieh Al-Bukhari)
Die Betenden hören der Qur´anrezitation  im Gebet zu und denken über seine Bedeutung nach, und die Stimme des Imam hat großen Einfluss auf die Menschen.  In verschiedenen Moscheen kann man nicht selten sehen, wie die Menschen zu weinen beginnen, wenn sie Verse hören, die von Gottes Segnungen, Seiner Gnade und Seiner Liebe, von Seinem Paradies, das Er den geduldigen Gläubigen vorbehalten hat oder die von dem Leiden in der Hölle sprechen.  Der Qur´an ist eine Offenbarung, die jedes Individuum anspricht und so fühlt jeder Einzelne, dass Gott ihn direct anspricht, wenn er ihn hört.  Daher sind die Gefühle, die bei der Qur´anrezitation aufwallen wirklich unvergleichlich und unbeschreiblich.
Am Ende des Tarawiehgebets erheben der Imam und die Gemeinde ihre Hände und machen Bittgebete für sich und für die Muslime; sie bitten Gott um die Vergebung ihrer Sünden, dass Er ihnen Stärke verleiht, um ihren Glauben zu praktizieren und standhaft zu bleiben, dass Er sie in das Paradies eintreten lässt, dass Er die Kranken heilt, dass Er den Verstorbenen vergibt und sie bitten Ihn um die guten Dinge in dieser Welt und in der nächsten Welt.  Sie bitten Gott, sie vor der Strafe am Tag des Gerichts zu bewahren, ihre Abrechnung an jenem Tag zu erleichtern und die Leiden ihrer muslimischen Brüder auf der ganzen Welt zu mindern.  Es ist nicht ungewöhnlich, die Mehrheit der Gemeinde unter Tränen ihren Herren anflehend zu finden.  Tatsächlich ist das Tarawiehgebet einer der Höhepunkte im Ramadhan, und es spielt eine große Rolle dabei, die Muslime zu inspirieren und ihnen Redlichkeit zu verleihen.
Nach dem Tarawieh kehren die Muslime in ihre Häuser zurück, essen Abendessen und dann erholen sie sich in ihren Betten, damit sie am nächsten Morgen wieder zu der Mahlzeit vor der Morgendämmerung aufstehen können.
Wie man sehen kann, ist der Ramadhan ein Monat, in dem verschiedene gottesdienstliche Handlungen für Gott verrichtet werden.  Ramadhan ist wie eine Übungszeit, in der die Muslime ihren Lebensstil so verändern, dass er Gottes Befehlen mehr entspricht.  Von der Zeit an, zu der der Mensch am Morgen erwacht, den gesamten Tag hindurch und bis in die Nacht hinein verrichtet der Muslim verschiedene gottesdienstliche Handlungen, zu manchen ist er verpflichtet, andere macht er freiwillig, aber alle vollzieht er, um seinem Herrn zu gefallen.  Dieser Monat ist tatsächlich ein Schlüsselfaktor im Leben der Muslime, eine Zeit der Verjüngung, in der der Gläubige für ein neues Jahr seines Lebens inspiriert wird, der mit der Zufriedenheit Gottes erfüllt ist und Seinen Zorn vermeidet.
Es gibt noch andere Besonderheiten im Ramadhan.

Die letzten zehn Nächte

1.    “Wahrlich, Wir haben ihn (den Qur´an) herabgesandt in der Nacht von Al-Qadr.
 2.   Und was lehrt dich wissen, was die Nacht von Al-Qadr ist?
3.    Die Nacht von Al-Qadr ist besser als tausend Monate. 
4.    In ihr steigen die Engel und der Geist (Gabriel) herab mit der Erlaubnis ihres Herrn zu jeglichem Geheiß.
5.    ‘Friede’ ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte.” (Quran:97:1-5)
Es war Ramadhan, als der Qur´an von den Himmeln auf die Erde herabgesandt wurde.  Genauer gesagt, es war in einer der letzten zehn Nächte dieses gesegneten Monats.  Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, sagte:
“Erwartet die gesegnete Nacht in den letzten Zehn.” (Sahieh Al-Bukhari)
 In jener Nacht sind die gottesdienstlichen Handlungen und guten Taten besser, als wenn sie über tausend Monate verrichtet werden, wie in dem oben zitierten Qur´anvers gesagt wird.  Daher vermehrte der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, seinen Gottesdienst, indem er die ganze Nacht im Gebet wach blieb. 
“Wenn die [letzten] zehn [Nächte] des Ramadhan anbrachen, krämpelte der Prophet seine Ärmel hoch und verlieh der ganzen Nacht Leben und weckte seine Familie.” (Sahieh Al-Bukhari)
Die Muslime erwarten diese gesegnete Nacht, damit ihr Lohn vermehrt wird.  Muslime verbringen die ganze Nacht im Gottesdienst, vom Beten desTarawiehgebets über Qur´anlesen, Bittgebete sprechen bis hin zu freiwilligen zusätzlichen Gebeten.  Während dieser Nächte wird in den Moscheen sogar noch ein zusätzliches Gebet verrichtet, das eineinhalb bis zwei Stunden dauert und kurz vor der Zeit für die Mahlzeit vor der Dämmerung endet.  Die Nächte leben vor Gottesdienst und die Menschen strengen sich mit all ihrer Kraft an, dies zu tun, um zu versuchen, diese geehrte Nacht im Gottesdienst zu verbringen.  Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, sagte:
“Wer in der gesegneten Nacht im Gebet verbrachte, an Gott glaubte und Seinen Lohn erhoffte, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.” (Sahieh Al-Bukhari)
Ramadhan ist ein Monat der Vergebung und die Menschen hoffen, dass sie zu denjenigen gehören werden die vor dem Feuer gerettet werden:
“Gott erwählt wen Er will (im Ramadhan), der vor dem Feuer gerettet wird, und zwar in jeder Nacht. ” (Al-Tirmidhi)
Aus diesem Grund fasten, beten und erwarten die Menschen die geehrte Nacht, damit ihnen ihre Unzulänglichkeiten vergeben werden und sie in das Paradies eintreten dürfen.

Umrah (Kleinere Pilgerreise nach Mekka)

Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, ermunterte die Leute, die Kaaba zu besuchen und die kleinere Pilgerreise oder Umrah zu vollziehen.  Er sagte:
“Tatsächlich die Umrah im Ramadhan zu vollziehen entspricht dem Hağğ mit mir.” (Sahieh Al-Bukhari)
Deshalb zieht es Millionen von Pilgern nach Mekka, um diese kleinere Pilgerreise zu machen.  Die meisten kommen während der letzten zehn Tage des Monats in der Hoffnung, die Belohnung des Hağğ zu verdienen und um an den Gebeten bei der Kaaba teilzunehmen, eine unglaubliche Erfahrung für den Gläubigen.  Man trifft Muslime aus allen Teilen der Welt, aller Kulturen und aller Rassen, und alle nehmen an dem gemeinschaftlichen Fasten des Tages und dem Gottesdienst die Nacht hindurch teil, um die Zufriedenheit ihres Schöpfers, ihres Herrn zu erlangen.  

Ein Monat der Vergebung   

Wir erwähnten verschiedene prophetische Aussagen, die feststellen, dass die unterschiedlichen Arten des Gottesdienstes Mittel zur Vergebung sind.  Fasten,Tarawiehgebet und das Beten in der geehrten Nacht – das alles sind Mittel der Vergebung.
“Wer den Monat Ramadhan fastet, an Gott glaubt und Seinen Lohn erhofft, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.” (Sahieh Al-Bukhari)
“Wer im Ramadhan das Nachtgebet verrichtet, an Gott glaubt und auf Seinen Lohn hofft, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.” (Sahieh Al-Bukhari)
“Wer in der geehrten Nacht im Gebet stand, an Gott glaubt und Seinen Lohn erhofft, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.” (Sahieh Al-Bukhari)
Ramadhan ist allgemein der Monat der Errettung vom Höllenfeuer: 
“Gott wählt (im Ramadhan) aus, wer vom Feuer gerettet werden wird - und das in jeder Nacht.” (Al-Tirmidhi)

Ein Monat der Wohltätigkeit

Wie schon zuvor erwähnt, bemühen sich die Menschen, andere zu speisen oder ihnen Lebensmittel zukommen zu lassen, mit denen sie ihr Fasten brechen können, und sie spenden bedürftigen Familien Lebensmittel, damit diese im Monat Ramadhan genug zu essen haben.  Abgesehen davon sind die Menschen im Ramadhan allgemein wohltätiger, denn die Wohltätigkeit wird als eine Form des Gottesdienstes angesehen, und Gott wird sie dafür belohnen.  Der Gefährte des Propheten, Abdullah bin Abbas sagte:   
“Der Prophet war der großzügigste Mensch, und im Ramadhan war er sogar noch großzügiger.” (Sahieh Al-Bukhari)
Um ihre guten Taten zu vermehren, wählten manche Muslime ebenfalls den Monat Ramadhan, um ihre Zakat[1]  oder das Pflichtalmosen zu entrichten. 

Sich in Einsamkeit zurückziehen

Es gibt eine besondere Form des Gottesdienstes im Islam, bei dem man sich für eine gewisse Zeit lang in die Moschee zurückzieht, sei es für einen Tag oder für eine Woche, und man verbringt seine Zeit mit der Qur´anrezitation und dem Lobpreisen Gottes, was wiederum eine Übung für den Menschen ist, sein Leben ganz Gott zu widmen.  Indem man sich von der alltäglichen Routine abkapselt und ganz dem Gottesdienst hingibt, lernt man, Prioritäten zu setzen und dem Leben in dieser Welt weniger Beachtung zu schenken.  Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, praktizierte selbst auch dieses Zurückziehen, das I’tikaafgenannt wird, in den letzten zehn Tagen des Ramadhan.  Er schlug ein Zelt in der Moschee auf und zog sich darin zurück, wo er sich ganz den unterschiedlichen Arten des Gottesdienstes widmete.
Muslime auf der ganzen Welt versuchen, sich von ihrer Arbeit oder Schule frei zu nehmen, um diesen Gottesdienst zu erfüllen, aber aufgrund der Schwierigkeit, ganz vom alltäglichen Leben abzuschalten, gelingt dies nur wenigen Menschen.  Nichtsdestotrotz findet man in den Gemeinschaftsmoscheen nur wenige Menschen, die diesen Gottesdienst wahrnehmen.

Schlussfolgerung

Wie man sehen kann, ist Ramadhan für die Muslime auf der ganzen Welt eine wirklich besondere Zeit.  Es ist ein Monat des Gottesdienstes, in dem die Sünder bereuen und sich Gott wieder zuwenden und die Gläubigen ihren Glauben erneuern.  Es ist eine Übungszeit, in der man sich daran gewöhnt, ein Leben im Einklang mit den Befehlen Gottes zu führen und Seine Zufriedenheit zu suchen.  Es ist eine Zeit, in der man seine Verbindung zu Gott stärkt.  Es ist eine Zeit, in der der Mensch sich selbt dazu erzieht, zusätzliche gottesdienstliche Handlungen zu den Pflichten zu verrichten.  Der Monat Ramadhan ist ohne Vergleich, und die Gefühle der Muslime in diesem Monat sind unbeschreiblich.  Aus diesem Grund baten die Gefährten des Propheten Gott, ihnen die Gnade zukommen zu lassen, Ramadhan bereits sechs Monate vor seinem Beginn und sechs Monate nach seinem Ende erleben zu können, und sie baten Gott um Vergebung für ihre Unzulänglichkeiten darin.  Wir bitten Gott, das Fasten und die Gebete der Muslime in diesem gesegneten Monat anzunehmen, und anderen die Rechtleitung zuteil  werden zu lassen, um in der Lage zu sein, ihn als Muslime fasten zu können.


Footnotes:
[1] Siehe (http://www.islamreligion.com/articles/46).

Ein Tag und eine Nacht im Ramadhan (teil 1 von 2): Das Fasten am Tag


Ramadhan ist für die Muslime ein sehr besonderer Monat, denn die Muslime auf der ganzen Welt verrichten darin viele unterschiedliche gottesdienstliche Handlungen, von denen das Fasten die wichtigste ist.  Dieses Fasten im Ramadhan ist eine der fünf Säulen des Islam, es ist eine Pflicht für alle Erwachsenen und alle Heranwachsenden, die dazu in der Lage sind.  Ramadhan ist auch der Monat, in dem der Prophet Muhammad seine erste Offenbarung erhalten hat, deshalb wird er auch "Monat des Quran" genannt.  Während dieses Monats kann man eine deutlich spürbare Veränderung im Leben der Menschen, wie auch in den Gesellschaften feststellen.  Dieser Artikel wird einen typischen Tag eines Muslim in diesem Monat der Vergebung beschreiben.

Eine frühe Mahlzeit

“Nehmt eine Mahlzeit vor der Morgendämmerung ein; denn diese ist eine segenvolle Mahlzeit.” (Sahieh Al-Bukhari)
Obwohl es keine Pflicht ist, stehen muslimische Familien den ganzen Ramadhan hindurch früh am Morgen, bevor das erste Morgenlicht zu sehen ist,  auf, und nehmen in Anlehnung an die Lehren des Propheten, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, eine leichte Mahlzeit ein.  Normalerweise beginnt der Tag eines Muslim mit dem Frühgebet, das verrichtet wird, wenn die ersten Spuren des Lichts am Himmel erkennbar sind, aber da dies die Zeit ist, zu der man zu fasten beginnt und sich des Essens und Trinkens enthält, ermunterte der Prophet die Muslime, vor dieser Zeit aufzustehen und ein Mahl einzunehmen.
Hier sehen wir deutlich, dass der Sinn des Fastens nicht darin besteht, den ganzen Tag hungrig zu sein, sondern eher, dass man seinen Lebensalltag umstellt, um mehr Zeit mit dem Gottesdienst für Allah zu verbringen, das ist eine Tatsache, die uns bald ganz klar werden wird.  Jemand, der oft das Frühgebet verpasst, dasjenige der fünf Gebete, das am schwersten in seiner vorgeschriebenen Zeit zu beten ist, steht in diesem gesegneten Monat früh auf, um die Mahlzeit einzunehmen.  Also gewöhnt sich diese Person daran, früh aufzustehen, was ihm dabei behilflich ist, das Frühgebet in der restlichen Zeit des Jahres pünktlich zu beten.
Das beliebteste freiwillige Gebet ist eines, das als "Qiyaam-ul-Lail" oder als das Nachtgebet bezeichnet wird.[1]  Dieses Gebet wird einzeln vor dem Frühgebet verrichtet.  Es ist so beliebt, dass es auch liebevoll als "Gebet der Frommen" bezeichnet wird, es ist ein Gebet der Demütigen, während der Großteil der anderen Menschen noch in ihren Betten schläft.  Gott beschreibt dieses Gebet im Quran indem Er sagt:
“Ihre Seiten halten sich fern von (ihren) Betten; sie rufen ihren Herrn in Furcht und Hoffnung an ...” (Quran 32:16)
Das Aufstehen in den frühen Morgenstunden ermuntert die Gläubigen ebenfalls, dieses gesegnete Gebet zu beten, etwas das für manche sonst eine mühsame Aufgabe darstellt.
Diese Mahlzeit vor der Dämmerung sollte möglichst nahe an der Zeit der Dämmerung eingenommen werden und so essen die Menschen, bis sie den Mu´ezzin oder Gebetsrufer den Adhan von der örtlichen Moschee rufen hören, was anzeigt, dass das erste Morgenlicht nun sichtbar ist.  Daher beenden die Muslime dann ihre Mahlzeit und bereiten sich darauf vor, am Gemeinschaftsgebet in der örtlichen Moschee teilzunehmen, das das ganze Jahr über fünfmal am Tag gebetet wird.

Der Monat des Quran

Nachdem sie am Frühgebet teilgenommen haben, wählen viele Muslime diese Zeit aus, um eine Weile in der Moschee sitzen zu bleiben und einen ausgewählten Abschnitt aus dem Quran zu lesen.  Die Quranrezitation ist zu jeder Zeit empfohlen, denn durch sie vertieft sich der Glaube im Islam:
“Gläubig sind wahrlich diejenigen, deren Herzen erbeben, wenn Allah genannt wird, und die in ihrem Glauben gestärkt sind, wenn Seine Verse verlesen werden.” (Quran 8:2)
Da es sich um den Monat handelt, in dem der Quran herabgesandt wurde, bemühen sich die Muslime noch eifriger darum, ihn ganz zu rezitieren, wie es auch der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, getan hat.
“[Der Prophet] traf ihn (Gabriel) jede Nacht im Ramadhan und rezitierte ihm den Quran.” (Sahieh Al-Bukhari)
Im Ramadhan findet man höchst selten eine Moschee zu irgendeiner Tageszeit leer vor.  Muslime versuchen in diesem Monat eine Zeit zu reservieren, um den Quran vollständig zu lesen und über seine Bedeutungen nachzudenken.

Am Tag fasten

In den meisten muslimischen Ländern sind die Arbeitslast und die Zeitpläne im Ramadhan gelockert, um den Besonderheiten dieses Monats gerecht zu werden.  Die Kinder gehen später zur Schule, damit sie das frühe Aufstehen und das späte Nachtgebet kompensieren können, und der Großteil der Geschäfte schließt zeitig vor Sonnenuntergang. Viele Läden bleiben dafür aber die ganze Nacht hindurch geöffnet.
Während der Tagesstunden bis die Sonne hinter dem Horizont versinkt, enthält sich der Muslim des Essens und Trinkens aller Art, und auch des Geschlechtsverkehrs mit seinem Ehepartner.  Dies verschafft dem Muslim im Tagesverlauf einen Sinn dafür, dass er all dies tut, um Gottes Befehlen zu gehorchen, denn es unterlässt Dinge, die sonst tagsüber erlaubt sind.  Dies schuf in den Muslimen ein Bewusstsein dafür, das sie ermuntert, unerlaubte Taten auch sonst zu unterlassen.  Die Muslime mit ausgetrockneten Mündern durch den Wassermangel und die Enthaltsamkeit von jeglichem Essen den ganzen Tag, erhalten einen sechsten Sinn: Gottesbewusstsein – und das ist das Ziel des Fastens im Monat Ramadhan.  Gott sagt im Quran: 
“Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren.  Vielleicht werdet ihr Gott fürchten.” (Quran 2:183)
Fasten ist ein verborgener Gottesdienst, den eine Person Gott darbietet.  Sie könnte auch genauso gut heimlich essen und trinken ohne dass jemand etwas davon erfahren würde... aber was sie davon zurückhält, ist das Bewusstsein von der Anwesenheit ihres Herrn.
Aus diesen Grunde sieht man zahlreiche sündige Muslime viele ihrer Sünden in diesem gesegneten Monat wegen seiner Heiligkeit unterlassen, und man kann nur hoffen, dass sie das verbleibende Jahr so vom Glauben erfüllt bleiben werden.  
Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, warnte die Muslime vor bestimmten Sünden, in die man leicht verfallen kann und die das Ziel des Fastens ruinieren.  Der Prophet sagte:
“Wer das falsche Wort und dessen tatkräftige Durchsetzung nicht unterlässt, von dem verlangt Gott nicht, dass er auf sein Essen und Trinken verzichtet.” (Sahieh Al-Bukhari)
Er warnte auch davor, sich provozieren zu lassen, sich unpassend zu benehmen.  Er forderte die Muslime auf, jemandem, der einen provozieren möchte, folgendes zu antworten:  
“Ich faste, ich faste.” (Sahieh Al-Bukhari)
Diese prophetischen Aussagen verdeutlichen, dass der Hauptnutzen vom Ramadhan spirituell und redlicher ist.
Daher stellt man im Ramadhan in den muslimischen Gesellschaften fest, dass ein Geist des Friedens in die Herzen der Menschen eingezogen ist, aufgrund des zusätzlichen Gottesdienstes und dem Meiden sämtlicher Schechtigkeit und bösen Verhaltensweisen.  Die Menschen sind allgemein viel umgänglicher und offenherziger und wenn man für einen Monat in einer Gesellschaft lebt, in der die meisten Menschen fasten, dann entsteht eine Einigkeit und Brüderlichkeit, die durch keine andere Gelegenheit übertroffen werden, außer vielleicht dem Hağğ. 

Iftar, oder Fastenbrechen

Wenn der Tag endet, sammeln sich due Muslime in ihren Häusern und erwarten den Sonnenuntergang.  Mütter und Töchter sind normalerweise zu dieser Zeit damit beschäftigt, das Fastenbrechen und Abendessen vorzubereiten, während die Männer von ihrer Arbeit zurückkehren und sich bequemere Kleidung anziehen und dann entweder die Zeit nutzen, um Quran zu lesen oder helfen, das Fastenbrechen vorzubereiten.  Kurz vor Sonnenuntergang versammelt sich die Familie am Esstisch, um auf den Mu´ezzin zu warten; diese Zeit nutzen sie, um Allah zu preisen und um Seine Gnade zu bitten.
“Es gibt für die Fastenden wirklich ein Gebet, das beantwortet wird, wenn sie ihr Fasten brechen.” (Tuhfat-ul-Muhtaj)
Wenn der Ruf zum Gebet zu hören ist, beeilen sich die Muslime, ihr Fasten mit Datteln zu brechen, indem sie dem Propheten nacheifern und Worte der Dankbarkeit sprechen, die der Prophet uns gelehrt hat, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm.
“Der Durst ist gelöscht, die Adern sind feucht geworden und die Belohnung ist gesichert, so Gott will.” (Abu Dawud)
Viele Muslime fügen noch hinzu:. 
“Oh Allah, für Dich Allein habe ich gefastet und an Dich Allein habe ich geglaubt.  Mit Deiner Versorgung habe ich mein Fasten gebrochen und auf Dich habe ich vertraut.”
Muslime nehmen dann eine leichte Mahlzeit mit unterschiedlichen Appetitanregern und Getränken zu sich.  Häufig wird man eingeladen oder lädt wiederum andere ein, entweder Familienmitglieder, Freunde oder arme Menschen.  In der Mehrzahl der Moscheen wird Essen verteilt, um das Leid der Armen zu vermindern.  In manchen Moscheen wird Iftar abgehalten, um die Gemeinschaft  zu stärken, normalerweise in Ländern in denen die Muslime eine Minderheit darstellen.  Der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, ermunterte die Menschen, andere in diesem gesegneten Monat zu speisen, als er sagte:. 
“Wer einem Fastenden Essen gibt, mit dem er sein Fasten bricht, wird diegleiche Belohnung erhalten (wie der Fastende) ...” (Al-Tirmidhi)
Besondere Rationen werden zum Beginn von Ramadhan durch wohltätige Organisationen an bedürftige Haushalte verteilt, um die Bedürfnisse dieses Monats zu decken.  
Die Erleichterung, die man beim Fastenbrechen fühlt, ist wirklich unbeschreiblich.  Niemals sonst erscheint einem das ärmlichste Mahl so wohlschmeckend oder bereitet dem Gläubigen eine solche Freude.  Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, sprach wirklich die Wahrheit, als er sagte:
“Der Fastende wird zwei Augenblicke der Freude erleben: einmal wenn er sein Fasten bricht und ein anderes Mal, wenn er seinem Herrn begegnet.” (Sahieh Al-Bukhari)
Es gibt keine Zeit für ein großes Essen, denn der Sonnenuntergang ist die Zeit für ein anderes vorgeschriebenes Gebet.  Die Muslime bereiten sich darauf vor, an dem Gemeinschaftsgebet teilzunehmen, das meistens zu Fuß zu erreichen ist.  Nach dem Gebet essen manche Muslime Abendessen, während andere das Essen verschieben, bis das Nachtgebet beendet ist, ein Ereignis, das eines der Hauptmerkmale der Nächte des Ramadhan darstellt, eine andere spirituelle Dimension dieses gesegneten Monats der Gnade und Segnungen.


Footnotes:
[1] Wörtlich: "Das Stehen in der Nacht" aufgrund der langen Rezitation, die beim Stehen durchgeführt wird..

Gottesdienst im Islam (teil 3 von 3): Der umfassende Charakter des Gottesdienstes

Wie bereits erwähnt, ist die Definition des Gottesdienstes im Islam eine, die sehr umfassend ist. Sie beinhaltet alles, das eine Person wahrnimmt, denkt, beabsichtigt, fühlt, sagt und tut.  Es bezieht sich auf alles, das Gott fordert, sei es äußerlich, innerlich oder interaktiv.  Dies enthält Rituale genauso wie Glauben, Arbeit, gesellschaftliche Aktivitäten und persönliches Verhalten.
Es gibt eine Unterscheidung zwischen dem, was gut ist, dem, was schlecht ist und dem, was neutral ist.  Eine gute Sache ist das, was sich gemäß dem Sinn und Zweck verhält, für den es Gott geschaffen hat.  Sie führt zu Harmonie und ist deshalb eine Belohnung in sich selbst, denn sie wendet Streitigkeiten und Leiden ab.  Daraus folgt, dass alles, das hiermit übereinstimmt, eine Art des Gottesdienstes sein muss.
Das islamische Verständnis von Gottesdienst erlaubt der Gesamtheit unseres Lebens, ein Teil des Gottesdienstes zu werden, solange es das Ziel unseres Lebens ist, Gott zu gefallen, was dadurch erreicht wird, indem man Gutes tut und und das Schlechte meidet.  Man kann die alltäglichen Aktivitäten in gottesdienstliche Handlungen verwandeln, indem man seine Absicht reinigt und ernsthaft versucht, mit diesen Aktivitäten Gottes Zufriedenheit zu erlangen.  Der Gesandte Gottes - möge Gott seine Erwähnung erhöhen- sagte:
“Jemanden oder seine Habseligkeiten auf sein Reittier zu heben, ist ein Almosen.  Ein gutes Wort ist ein Almosen.  Jeder Schritt auf dem Weg, um das Gebet zu verrichten, ist ein Almosen.  Ein Hindernis aus dem Weg räumen, ist ein Almosen.” (Sahieh Al-Bukhari)
Seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann eine gottesdienstliche Handlung sein.  Die Gefährten sahen einen Mann und waren über seine harte Arbeit und seinen Fleiß erstaunt.  Sie bekundeten: “Wenn er diese viele Arbeit wenigstens um Gottes Willen machte...”
Der Gesandte Gottes sagte:
“Wenn er arbeitet, um seine kleinen Kinder zu versorgen, dann ist es für den Willen Gottes.  Wenn er arbeitet, um seine alten Eltern zu unterstützen, dann ist es für den Willen Gottes.  Wenn er arbeitet, um sich selbst zu beschäftigen und um sein Verlangen im Zaum zu halten, dann ist es für den Willen Gottes.  Wenn er es andererseits aber tut, um sich zu brüsten und um berühmt zu werden, dann arbeitet er für den Willen Satans.” (al-Mundhiri,as-Suyuti)
Selbst die natürlichsten Taten können zu gottesdienstlichen Handlungen werden, wenn sie von einer reinen Absicht begleitet werden.  Der Gesandte Gottes sagte:
“Wenn sich einer von euch seiner Frau nähert, ist das ein Almosen.” (Sahieh Muslim)
Dasselbe gilt für essen, schlafen, arbeiten und gute Charakterzüge, wie Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit, Großzügigkeit, Mut und Demut können durch eine ersthafte Absicht und bedachten Gehorsam Gott gegenüber zu Gottesdiensten werden.  
Damit diese sonst weltlichen Taten zu den gottesdienstlichen Handlungen zählen, die eine göttliche Belohnung nach sich ziehen, müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:
A.    Die Tat muss von einer reinen Absicht begleitet werden.  Der Gesandte Gottes sagte:
“Die Taten entsprechen den Absichten, und jemand erhält, was er beabsichtigt hat.” (Sahieh Al-Bukhari)
B.    Die Tat muss erlaubt sein.  Wenn es etwas Verbotenes ist, verdient der Täter eine Bestrafung.  Der Gesandte Gottes sagte:
“Gott ist rein und gut, und Er akzeptiert nur, was rein und gut ist.” (Sahieh Muslim)
C.    Die Vorschriften des islamischen Gesetzes müssen vollständig eingehalten werden.  Täuschung, Unterdrückung und Niederträchtigkeit müssen vermieden werden.  Der Gesandte Gottes sagte:
“Wer uns täuscht, ist keiner von uns.” (Sahieh Muslim)
D.    Die Tätigkeit sollte die Person nicht davon abhalten, ihre oder seine religiösen Verpflichtungen einzuhalten.  Gott sagt:
“O ihr, die ihr glaubt, lasset euch durch euer Vermögen und eure Kinder nicht vom Gedenken an Allah abhalten...” (Quran 63:9)
Wie wir hier sehen, ist im Islam das Konzept des Gottesdienstes weder auf reines Mönchtum, Meditation oder Anerkennung der Realität in der Gott uns geschaffen hat, beschränkt, noch basiert er auf reinem Ritualismus und der Ausführung bestimmter Handlungsweisen ohne einleuchtende Bedeutung.  Der Islam hat viel eher das Innere und das Äußere verbunden und die Rechtschaffenheit genau definiert und dafür eine Belohnung eingesetzt.  Es ist dieses einleuchtende Konzept des Gottesdienstes, das die Menschen befähigt, den Sinn, zu dem sie erschaffen wurden, zu erfüllen.  Gott sagt:
“Und Ich habe die Ğinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen).” (Quran 51:56)
Die Menschen sollen nicht nach ihren eigenen Begierden, Automatismen, geistigen Bedingungen oder den Vorschriften sozialer, politischer oder akademischer Authoritäten leben, sondern im Einklang mit ihrem kosmischen, angeborenen Lebenszweck: Gott zu dienen. 
“So richte dein Antlitz in aufrichtiger Weise auf den Glauben; (dies entspricht) der natürlichen Veranlagung, mit der Gott die Menschen geschaffen hat.  Es gibt keine Veränderung an Gottes Schöpfung.  Das ist der beständige Glaube.  Allein die meisten Menschen wissen es nicht.” (Quran 30:30)
Wenn jemand in seinem Leben die Dinge, die Gott befohlen hat, erfüllt, und die Dinge, die Gott verboten hat, unterlässt, und alle seine Taten auf Gott ausrichtet, dann wird ihr Leben von morgens bis abends, von der Zeit ihrer Geburt bis zu ihrem Tod in Gottesdienst umgewandelt, für den sie belohnt werden.  Dies war der Zustand der Propheten, wie Gott sagte: 
“Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Gott, dem Herrn der Welten.” (Quran 6:162)
Wenn jemand diesen Zustand erreicht, kommt er in Einklang mit der restlichen Schöpfung und kehrt zu dem natürlichen Grundzustand allen Seins zurück, denn auch alle anderen Geschöpfe befinden sich unbewusst in einem ständigen Gottesdienst, wie Er sagt:
“Hast du nicht gesehen, dass sich vor Gott anbetend niederwirft, wer in den Himmeln und auf Erden ist – ebenso die Sonne und der Mond und die Sterne und die Berge und die Bäume und die Tiere und viele Menschen?” (Quran 22:18)

Gottesdienst im Islam (teil 2 von 3): Die äußerlichen Formen der Gottesanbetung

Die äußerliche Form des Gottesdienstes

Durch die Geschichte hindurch haben bestimmte Religionen, aufgrund ihrer Entwicklung, mehr Augenmerk auf die inneren Formen des Gottesdienstes gelegt, indem sie die Wichtigkeit der äußerlichen Form ganz oder teilweise weggelassen haben, wohingegen andere mehr Konzentration auf offensichtliche und sichtbare Rituale legten und den Wert des Glaubens minderten.  Wie schon zuvor erwähnt, gibt es im Islam keine absolute Trennung zwischen der innerlichen und der äußerlichen Form – der innere Zustand erzeugt äußerliche Erscheinungen und sollte sie auch erzeugen, und äußerliche Bedingungen und Taten haben innere Auswirkungen.  Es besteht sicherlich eine Wechselwirkung zwischen dem inneren und dem äußerlichen Zustand, und jeder formt den anderen.  Alle inneren Absichten führen zu entsprechenden Haltungen und Taten.  Häufig kann man den inneren Zustand einer Person an ihrem Äußeren ablesen.  Jemand, der beispielsweise verzweifelt oder ängstlich ist, hat eine bestimmte Körperhaltung und einen besonderen Gesichtsausdruck.  Wenn umgekehrt bestimmte Tätigkeiten oder Haltungen angenommen werden, dann stellt sich der passende innere Zustand ein. 
Sichtbare gottesdienstliche Handlungen, die Gott erbracht werden, stellen die Früchte des Glaubens eines Muslim dar.  Aus diesem Grund befiehlt der Islam nicht nur, dass jemand an die fundamentellen Wahrheiten glaubt, die seine Glaubenslehre festlegt, sondern er befiehlt auch, dass der Glaube an Gott sichtbare Auswirkungen nach sich ziehen sollte.  Es genügt für die Erlösung nicht, nur bestimmte Glaubensdinge aufrechtzuerhalten, sondern es müssen Taten folgen, damit man in diesem und im nächsten Leben erfolgreich ist.    
Gott hat angeordnet, dass Muslime während ihrer Leben bestimmte Anweisungen erfüllen müssen, beispielhaft gezeigt an den fünf Säulen des Islam.  Diese wurden täglich vorgeschrieben, wie das Gebet, jährlich, wie das Almosen und das Fasten im Ramadhan, oder mindestens einmal im Leben, wie Hağğ.  Es gibt noch viele andere gottesdienstliche Handlungen außer den fünf Säulen, die im Islam vorgeschrieben sind, von denen sind manche verpflichtend und manche freiwillig, ihre Verrichtung ist dem Ermessen des Muslim überlassen. 
Obwohl ein Ritual mit diesen gottesdienstlichen Handlungen verbunden ist, sollten sie nicht missverstanden werden.  Bei allen gottesdienstliche Handlungen muss man sich dessen, was man tut, und der Allgegenwart Gottes absolut bewusst sein.  Taten, die mechanisch durchgeführt werden, oder aus Gewohnheit, lassen nur Automatismen entstehen und unterstützen nicht die spirituelle Erweiterung.
“Es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr eure Angesichter in Richtung Osten oder Westen wendet; Frömmigkeit ist vielmehr, dass man an Allah glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf von) Sklaven, dass man das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet.  Es sind diejenigen, die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben; und diejenigen, die in Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind.” (Quran 2:177)

Der Sinn und der Nutzen des Gottesdienstes

Gott braucht keinen unserer Dienste.  Der Gottesdienst wurde im Islam und allen anderen früheren Religionen zum Nutzen der Menschen eingeführt, für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft.  Er ist für die Aufrechterhaltung und Steigerung der Spiritualität im Leben eines Muslim unentbehrlich.  Mit dem formalen Gottesdienst übt der Einzelne, seinen Schöpfer zu lieben und ein ständiges Bewußtsein für die Gegenwart Gottes zu entwickeln.  Gott sagt:
“O ihr Menschen!  Dient, eurem Herrn, Der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat, damit ihr gottesfürchtig sein möget.” (Quran 2:21)
Gott sagte auch zu Moses:
“…diene Mir und verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.” (Quran 20:14)
Gottesdienstliche Handlungen dienen als ein Mittel, mit dem man sich Gottes erinnert und eine Verbindung zu Ihm aufrechterhält.  Muslime beten mindestens fünfmal täglich, um diese Verbindung aufrecht zu erhalten.  Wenn einer Bittgebete spricht, Gott anfleht und preist, Verse aus Seiner Offenbarung rezitiert, die auch die “Ermahnung”[1] genannt wird, das alles zusammen mit anderen Formen des Gottesdienstes über den ganzen Tag verteilt, so wird er einen Sinn für die Allgegenwart von Gottes Macht und Wissen zu jeder Zeit erhalten, der ihnen in diesem Sinn Gottesfurcht verleiht. 
Gottesdienst erweckt auch einen starken Sinn in dem Muslim, das Schlechte aus sich selbst, aus der Gesellschaft und aus seiner Umwelt zu entfernen und das Wort Gottes in der ganzen Welt zu etablieren.  Gott sagt:
“…Wahrlich das Gebet hält von schändlichen und abscheulichen Dingen ab...” (Quran 29:45)
Und wieder, wenn jemand seinen Tag damit verbringt, bestimmte gottesdienstliche Handlungen zu verrichten, wird er ständig an den Sinn des Lebens erinnert und seinen letztendlichen Ausgang, und dies wiederum hilft ihm, sein Leben auf den Willen Gottes auszurichten, zu tun, was Ihm gefällt und zu unterlassen, was Ihm missfällt.  
Man kann deutlich den Einfluss erkennen, den der Gottesdienst auf der gemeinschaftlichen Ebene besitzt.  Gesellschaft ist nur eine Anhäufung von Individuen, und wenn die Individuen spirituell und moralisch aufrecht sind, dann ist die gesamte Gesellschft selbst auch aufrecht.  Im Idealfall wird die Gesellschaft eine sein, in der man fühlt, dass Gott sie immer sieht; eine Gesellschaft, für die nützliche Taten der Freundlichkeit untrennbare Adjektive sind und sich Sünde und Laster in Grenzen halten.  
Auch wenn es manchen so erscheinen mag, als würden Gottesdienst und Gehorsam Gott gegenüber, Gefangenschaft und Sklaverei ähneln, ist es doch so, dass die Gottesanbetung und die Dienstbarkeit die Menschen in Wirklichkeit von jeglicher Unterjochung aller Art befreien.  Die Person befreit sich von den Ketten der Gesellschaft, der Angehörigen und der Familie, und nimmt sich die Freiheit, um Seinem Einen Wahren Herrn zu gefallen.  Dies ist die wahre Freiheit, die absolute Sicherheit und Zufriedenheit mit sich bringt.  Der Dienst für Gott ist die ultimative Quelle der Freiheit. 


Footnotes:
[1] Dies kann in vielen Versen gefunden werden, wie in 15:9, 36:11, und anderen.

Gottesdienst im Islam (teil 1 von 3): Die Bedeutung der Gottesanbetung


Das Konzept und der Sinn der Gottesanbetung im Islam gleicht keiner anderen existierenden Religion.  Es ist eine Kombination des Weltlichen mit dem Spirituellen, des Einzelnen mit der Gesellschaft und der innerlichen Seele mit dem äußeren Körper.  Im Islam hat die Gottesanbetung eine einzigartige Rolle inne und durch den Gottesdienst wird jemand als wahrer Muslim betrachtet, der sein gesamtes Leben dem Willen Gottes unterwirft.
Die Wichtigkeit des Gottesdienstes kann an der Tatsache erkann werden, dass Gott ihn allen Religionen vor dem Islam ebenfalls vorgeschrieben hat.  Gott sagt im Quran:
“Und in jedem Volk erweckten Wir einen Gesandten (der da predigte): ‘Dient Gott….’” (Quran 16:36)
Der Gottesdienst hat im Islam so viele Facetten, dass es schwierig ist, sie alle in Worte zu fassen.  Die allgemeinste Bedeutung von Gottesdienst im Islam umfasst alles, was Gott gefällt, egal ob es sich um Angelegenheiten des Glaubens, oder Taten des Körpers handelt.  Es kann alles einschließen, das eine Person wahrnimmt, denkt, beabsichtigt, fühlt, sagt und tut.  Es bezieht sich auf alles, das Gott fordert, äußerlich, innerlich oder interaktiv.  Dies beinhaltet Rituale genauso wie Glauben, Arbeit, gesellschaftliche Aktivitäten und persönliches Verhalten, das menschliche Wesen als Ganzes, so dass jeder Teil jeden anderen beeinflusst. 
Gottesdienst kann in zwei Arten unterteilt werden.:
1)    Besondere Glaubensbestandteile, Gefühle und sichtbare Taten der Demut in Hingabe zu Gott, die Er befohlen hat.
2)    Allgemein alle anderen guten Taten, die im Leben eines Muslim empfehlens-wert sind.

Hingabe zu Gott

Dieser Aspekt des Gottesdienstes erfordert, dass jemand bestimmte Dinge erfüllt, die Gott in Seiner Religion befohlen hat, ob es sich um das innere oder äußerliche Wesen handelt und ob diese verpflichtend oder freiwillig sind.  Dieser Aspekt des Gottesdienstes beschränkt sich nicht darauf, Seinen Befehlen Gehorsam zu leisten, sondern es gehört auch dazu, jene Dinge zu vermeiden, die Er verboten hat.  In diesem Sinne kann der Gottesdienst als alles definiert werden, das jemand aus Gehorsamkeit gegenüber Gott glaubt, fühlt oder tut. 
In dieser Hinsicht kann man den Gottesdienst im wahrsten Sinne des Wortes als “Gottes” – “Dienst” bezeichnen, denn obwohl dieses Wort bei den Christen etwas ganz Bestimmtes bezeichnet, bedeutet es für Muslime den Dienst für Gott: wir sind Gottes Diener und wir leben unser gesamtes Leben in vollständiger Dienstbarkeit für Gott; wir tun, was Er befiehlt und unterlassen, was Er verbietet, wie ein Diener oder ein Sklave ganz dem Willen seines Herrn entspricht.  Im Wesentlichen sind alle Geschöpfe Diener Gottes, ob es ihnen gefällt oder nicht, denn sie unterstehen alle den Gesetzen, die Er über Seine Schöpfung eingesetzt hat:
“Da ist keiner in den Himmeln noch auf der Erde, der dem Allerbarmer (Gott) anders denn als Diener sich nahen dürfte.” (Quran 19:93)
“Ihm ergibt sich, was in den Himmeln und auf der Erde ist, gehorsam oder wider Willen.” (Quran 3:83)
Aber Gottesdienst unterscheidet sich von bloßer Dienstbarkeit, denn er muss mit Liebe, Ehrfurcht und Verehrung verbunden sein.  Kein Akt des Gehorsams wird als Gottesdienst betrachtet, bevor er nicht mit folgenden Gefühlen verbunden ist: man muss die Tat lieben und den Einen, für den man diese Tat ausführt, lieben, Ihm Ehrfurcht erweisen und Ihn verehren. 
Aus diesem Grund muss betont werden, wenn man über dieses Thema spricht, dass Gottesdienst ein Recht ist, das einzig und allein Gott zusteht.  Der Islam erhält die strengste Form des Monotheismus aufrecht und toleriert keinen Akt des Gottesdienst, der irgendetwas anderem als Gott gewidmet ist.  Es ist Gott allein, Der unseren Gehorsam verlangt, und es ist Gott allein, Dem unsere Liebe gebührt.  Jegliche Verehrung anderer Gottheiten neben Gott, egal ob es Halbgötter, Propheten, Engel, Heilige oder Märtyrer sind, oder deren Andenken, Statuen oder Bilder, stellt einen Bruch mit dem Monotheismus dar; und wenn jemand dies tut, verlässt er die “Herde der Gläubigen” und damit den Islam.  Selbst wenn jemand sich rechtfertigt, dass sie die Heiligen aufgrund ihres Dienstes für Gott verehren, oder deren Andenken als eine Erinnerung an sie; der Islam unterscheidet nicht zwischen direkter und indirekter, oder untergeordneter und übergeordneter Anbetung.  Jegliche Anbetung und Akte der Verehrung, der Huldigung und des Gehorsams müssen Gott allein gewidmet sein.

Die inneren Formen des Gottesdienstes

Wie schon zuvor erwähnt, beziehen sich die von Gott vorgeschriebenen gottesdienstlichen Handlungen entweder auf die innere Person oder auf den äußeren Körper.  Jene, die sich auf die innere Person beziehen, tun dies mit Glauben und Gefühlen.  Den Menschen wurde angeordnet, an bestimmte allgemeingültige Wahrheiten zu glauben, die als Glaubensartikel bezeichnet werden – und dies ist der wichtigste Aspekt des Gottesdienstes.  Glaube ist die Grundlage für das, was die Person fühlt und tut – Taten und Gefühle sind eine Wiederspiegelung des Glaubens.  Wenn der Glaube einer Person fehlerhaft oder schwach ist, wird er nie die erwünschten Ergebnisse bezüglich ihrer Gefühle oder Taten hervorbringen.  Wenn eine Person beispielsweise glaubt, dass Gott ihm seine Sünden aufgrund seines bloßen Glaubens schon vergeben hat, dann wird sein Glaube weder das erwünschte Gefühl der Furcht hervorrufen, das in seinem Herzen anwesend sein sollte, noch wird dieser Glaube die Person davon abbringen, Sünden zu begehen und statt dessen rechtschaffene Taten zu verrichten. 
Gott hat uns ebenfalls befohlen, in unseren Herzen bestimmte Gefühle sowohl für Ihn als auch für andere Seiner Geschöpfe zu hegen.  Muslime müssen Gott lieben, Ihn fürchten, Ehrfurcht vor Ihm haben, Ihm vertrauen und Ihn verehren.  Den Muslimen ist auch befohlen worden, ihre Mitmuslime zu lieben, ihnen Gnade und Mitgefühl entgegenzubringen, die Rechtschaffenheit zu lieben und die Sünde zu hassen.  All diese werden als gottesdienstliche Handlungen der inneren Person betrachtet, denn damit erfüllt der Muslim die Befehle Gottes und wird dafür belohnt werden.

Hağğ – Die Reise des Lebens (teil 2 von 2): Die Riten von Abraham


Gerade nach Sonnenuntergang ziehen die Massen der Pilger nach Muzdalifah, eine offene Ebene auf halbem Wege zwischen Arafah und Mina.  Dort angekommen, beten sie zuerst, dann sammeln sie eine bestimmte Anzahl kichererbsengroßer Steinchen, die sie in den kommenden Tagen brauchen werden.
Noch vor Tagesanbruch des dritten Tages bewegt sich die Masse der Pilger von Muzdalifah nach Mina zurück.  Dort werfen sie mit den Steinchen, die sie zuvor gesammelt haben auf die weißen Säulen, eine Tradition des Propheten Abrahams.  Wenn die Pilger sieben Steinchen auf jede dieser Säulen werfen, erinnern sie sich der Geschichte, als Satan versuchte, Abraham zu überreden, Gottes Befehl seinen Sohn zu opfern, zu missachten.
Das Werfen der Steine ist ein Symbol für den Versuch des Menschen, Schlechtes und Böses abzuwerfen, nicht nur einmal sondern siebenmal – die Zahl sieben symbolisiert die Unendlichkeit.
Nach dem Werfen opfern die meisten Pilger eine Ziege, ein Schaf oder ein anderes Tier.  Sie geben das Fleisch den Armen, nachdem sie eine kleine Portion für sich selbst behalten haben.
Dieser Ritus steht in Verbindung mit Abrahams Bereitschaft, im Einklang mit Gottes Wunsch seinen Sohn zu opfern.  Es symbolisiert die Bereitwilligkeit des Muslim, das, was ihm teuer ist, zu teilen und es erinnert uns an den Geist des Islam, in dem die Unterwerfung unter den Willen Gottes eine führende Rolle spielt.  Diese Tat erinnert den Pilger auch daran, weltliche Güter mit denen, die nicht so glücklich sind, zu teilen und es ist auch eine Dankbarkeit Gott gegenüber.
Da die Pilger nun den Großteil der Hağğ beendet haben, ist es ihnen jetzt erlaubt, ihren Ihram abzulegen und ihre normale Kleidung anzuziehen.  An diesem Tag teilen Muslime auf der ganzen Welt die Freude der Pilger und wie sie opfern sie an diesem Tag und feiern ´Id al-Adha, das “Opferfest”.  Männer scheren ihre Haare und Frauen schneiden ein kleines Stück davon ab, um ihre teilweise Entweihung zu symbolisieren.  Dies alles sind Symbole der Demut.  Alle Verbote, außer das der ehelichen Beziehungen, sind nun aufgehoben.
Die Tage verbringen die Pilger noch immer in Mina, aber sie besuchen Mekka, um einen anderen essentiellen Ritus der Hağğ zu vollziehen; den Tawaf, das siebenmalige Umkreisen der Kaaba, bei dem Bittgebete zu sprechen sind.  Ihre Umkreisung der Kaaba, das Symbol für die Einheit Gottes, deutet darauf hin, dass Gott im Mittelpunkt einer jeden Aktivität des Menschen stehen muss.  Es symbolisiert ebenfalls die Verbindung von Gott und Mensch.
Thomas Abercrombie, zum Islam konvertiert und Schriftsteller und Photograph für das National Geographic Magazine, pilgerte in den 1970ern und beschrieb die Verbundenheit und Harmonie, welche die Pilger bei dem Umkreisen der Kaaba verspüren:
“Siebenmal umkreisten wir den Schrein und wiederholten die rituellen Gebete auf arabisch: ´Herr Gott, von einem solchen fernen Land bin ich gekommen zu Dir... Gewähre mir Schatten unter Deinem Thron.´  Gefangen in der wirbelnden Szene, erhöht durch die Poesie der Gebete, umkreisten wir Gottes Haus im Einklang mit den Atomen, in Harmonie mit den Planeten.”
Während sie ihre Umkreisung vollziehen, können die Pilger den Schwarzen Stein küssen oder berühren.  Dieser ovale Stein, im späten siebten Jahrhundert erst in den Silberrahmen eingelassen, besitzt in den Herzen der Muslime einen besonderen Platz, denn, gemäß mancher Hadith, ist es der einzige Überrest der Originalstruktur, die Abraham und Ismael erbaut haben.  Aber vielleich ist der einzige, wichtige Grund, den Stein zu küssen, dass es der Prophet genauso tat.
Der Stein wird aber auf keinerlei Art und Weise angebetet, denn er ist kein Objekt der Anbetung und ist es auch nie gewesen.  Der zweite Khalif, Umar ibn al-Khattab machte dies ganz deutlich, als er den Stein selbst in Anlehnung an den Propheten küsste, gab er bekannt:
“Ich weiß, dass du nur ein Stein bist, unfähig zu nutzen oder zu schaden.  Hätte ich nicht den Gesandten Gottes dich nicht küssen gesehen, würde ich dich nicht küssen.”
Nachdem sie den Tawaf beendet haben, beten die Pilger möglichst am Platz von Abraham, das ist die Stelle, an der Abraham gestanden hat, als er die Kaabah gebaut hat.  Dann trinken sie Wasser von Zamzam.
Ein anderer und manchmal abschließender Ritus ist sa´i oder “Anstrengung”.  Dies ist eine Wiederbelebung einer erinnerungswürdigen Episode aus dem Leben Hagars, die mit ihrem Sohn Ismeal in das “unkultivierbare Tal” von Mekka, wie der Quran es nennt, gebracht worden war, um dort zu leben.
Der Sa´i erinnert uns an Hagars verzweifelten Suche nach Wasser, um Ismaels Durst zu stillen.  Sie rannte siebenmal zwischen den Hügeln as-Safa und al-Marwah hin und her, bis sie die heilige Wasserquelle fand, die Zamzam genannt wird.  Dieses Wasser, das auf wundersame Weise unterhalb von Ismaels kleinen Füßen entsprang, ist dieselbe Quelle aus der noch heute die Pilger trinken. 
Wenn diese Riten erfüllt sind, ist der Weihezustand der Pilger vollständig aufgehoben: sie können alle normalen Aktivitäten wieder aufnehmen.  Jetzt kehren sie nach Mina zurück, wo sie bis zum 12. oder 13. Dhul-Hiğğah bleiben.  Dort werfen sie ihre übrigen Steinchen auf jede der Säulen, auf die Art und Weise wie es der Prophet getan hat.  Dann verlassen sie ihre Freunde, die sie während derHağğ gefunden haben.  Bevor sie Mekka ganz verlassen, machen die Pilger noche einen letzten Tawaf um die Kaaba, um sich von der heiligen Stadt zu verabschieden.
Normalerweise verbinden die Pilger Hağğ, die größere Pilgerfahrt, mit derUmrah, der kleineren Pilgerfahrt, der durch den Qur´an ihre Grenzen bestimmt sind und die der Prophet ebenfalls durchführte.  Anders als die Hağğ, findet dieUmrah nur in Mekka selbst statt und kann jederzeit im ganzen Jahr verrichtet werden.  Der Ihram, Talbiyah und die Einschränkungen die durch den Weihezustand bedingt sind, gelten bei der Umrah gleichermaßen, die auch drei Rituale der Hağğ teilt: den Tawaf, Sa´i und das Scheren bzw. Schneiden der Haare.  Der rituelle Brauch der Umrah, den Pilger wie Besucher einhalten, steht für die besondere Verehrung der einzigartigen Heiligkeit Mekkas.
Bevor oder nachdem sie in Mekka waren, nutzen die Pilger bei Hağğoder Umrah gegebenenfalls auch die Gelegenheit, die Moschee des Propheten in Medinah zu besuchen, die zweitheiligste Stadt im Islam.  Hier liegt der Prophet in einem einfachen Grab begraben.  Der Besuch in Medinah ist keine Pflicht, denn es stellt keinen Teil der Hağğ oderUmrah dar, aber die Stadt – die Muhammad willkommen hieß, als er aus Mekka auswanderte – ist reich an bewegenden Erinnerungen und historischen Plätzen, welche die Erinnerung an ihn als Propheten und Staatsführer wachrufen.
In dieser Stadt, die die Muslime seit Jahrhunderten lieben, kann man noch immer die Auswirkungen des Leben des Propheten spüren.  Muhammad Asad, ein österreichischer Jude, der 1926 zum Islam konvertiert ist, und fünf Pilgerreisen zwischen 1927 und 1932 unternahm, beschreibtt die Anziehungskraft dieser Stadt:
“Selbst nach dreizehn Jahrhunderten ist die spirituelle Gegenwart [des Propheten] hier lebendig wie damals.  Nur durch ihn wurde aus der verstreuten Gruppe von Dörfern, die einst Yathrib genannt wurde, eine Stadt, und sie wurde den Muslimen bis zum heutigen Tage so lieb, wie keine andere Stadt irgendwo sonst auf der Welt je geliebt wurde.  Sie hat noch nicht einmal einen eigenen Namen: seit über dreizehn hundert Jahren wird sie Madinat an-Nabi, “die Stadt des Propheten” genannt.  Über dreizehnhundert Jahre ist hier so viel Liebe zusammengeflossen, dass alle Formen und Bewegungen eine gewisse Familienähnlichkeit aufweisen und jegliche abweichenden Erscheinungen finden einen tonalen Übergang in eine allgegenwärtige Harmonie.”
Wenn die Pilger unterschiedlicher Rassen und Sprachen nach Hause zurückkehren, tragen sie die hingebungsvollen Erinnerungen an Abraham, Ismael, Hagar und Muhammad mit sich.  Sie werden sich immer an das Zusammentreffen mit Menschen aus aller Welt erinnern, wo arme und reiche, schwarze und weiße, junge und alte sich auf einer gleichen Ebene getroffen haben. 
Sie kehren mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Gelassenheit zurück: Ehrfurcht aufgrund ihrer Erfahrungen bei Arafat, als sie sich Gott am nächsten gefühlt haben, wo sie auf der Seite standen, an welcher der Prophet auf seiner ersten und einzigen Pilgerreise seine Abschiedspredigt gehalten hatte; und Gelassenheit, weil sie auf dieser Ebene ihre Sünden abgeworfen haben und nun von deren schwerer Last befreit sind.  Sie kehren ebenfalls mit einem größeren Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Brüder im Islam zurück.  Dies ist entstanden aus dem Geist für andere zu sorgen und  dem Verständnis für ihr eigenes reiches Erbe, das ihre Leben lang andauern wird.
Die Pilger kommen strahlend mit Hoffnung und Freude zurück, denn sie haben Gottes uraltes Gebot an die Menschheit erfüllt.  Vor allem kommen sie mit einem Gebet auf den Lippen zurück: “Bitte, Gott”, beten sie, “akzeptiere unsere Hağğ von uns”, und möge das, was der Prophet sagte, für ihre eigene Reise auch zutreffen:
“Es gibt keine Belohnung für die fromme Pilgerreise als das Paradies.” (Al-Tirmidhi)

Hağğ – Die Reise des Lebens (teil 1 von 2): Der Tag von Arafah und seine Vorbereitung


Die Hağğ oder Pilgerreise nach Mekka, eine der zentralen Pflichten des Islam, deren Ursprünge auf den Propheten Abraham zurückzuführen sind, bringt Muslime aller Rassen und Sprachen zusammen – eines der bewegendsten spirituellen Erlebnisse meines Lebens.
Seit 14 Jahrhunderten haben unzählbare Millionen Muslime, Männer und Frauen aus allen vier Himmelsrichtungen, die Pilgerreise nach Mekka gemacht, dem Geburtsort des Islam.  Indem sie dieser Verpflichtung nachkommen, erfüllen sie eine der fünf "Säulen" des Islam, oder der zentralen Pflichten des Gläubigen.
Muslime führen die überlieferten Ursprünge der göttlich angeordneten Pilgerreise auf den Propheten Abraham zurück.  Gemäß dem Qur´an war es Abraham, der zusammen mit Ismael die Kaaba erbaut hat, das "Haus Gottes", die Richtung, in die die Muslime sich fünfmal am Tag in ihren Gebeten richten.  Es war Abraham, der auch die Rituale für die Hağğ aufgestellt hat, die auf Ereignisse oder Handlungsweisen aus seinem Leben oder dem von Hağğar und ihrem Sohn Ismael zurückzuführen sind.
In dem Kapitel "Die Pilgerreise" spricht der Qur´an von dem göttlichen Befehl,Hağğ zu machen und prophezeiht ihre Beständigkeit:.
“Und als Wir für Abraham die Stätte des Hauses bestimmten, (sprachen Wir): "Setze Mir nichts zur Seite und halte Mein Haus rein für die (es) Umkreisenden, Betenden und Sich-Niederwerfenden.  Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt auf.  Sie werden zu Fuß und auf jedem mageren Kamel aus allen fernen Gegenden zu dir kommen.” (Quran 22:26-27)
Unterdessen erhielt der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, den göttlichen Ruf, denn die Praktiken der Götzendiener hatten die ursprünglichen Zeremonien der Hağğ verschmutzt.  Der Prophet führte, von Gott dazu angeleitet, die Hağğ nach dem Vorbild Abrahams wieder ein, nachdem er ihre Riten in ihrer ursprünglichen Reinheit wiederhergestellt hatte.
Muhammad selbst wies die Gläubigen in die Riten der Hağğ ein.  Er tat dies auf zweierlei Arten: mit seiner eigenen Art und Weise, wie er die Pilgerreise vollzog oder indem er die Art und Weise seiner Gefährten empfahl.  Dies fügte den Riten eine gewisse Komplexität hinzu, erhöhte aber auch deren Flexibilität in der Ausführung, was für die Pilger seit damals von Nutzen ist.  Beispielsweise ist es erlaubt, bei der Durchführung mancher Riten eine andere Reihenfolge zu wählen, denn vom Propheten selbst wird überliefert, dass er solches empfohlen hatte.  Auch wenn die Riten der Hağğ durchdacht, zahlreich und abwechslungsreich sind, wollen wir unten einige beleuchten.
Die Hağğ  nach Mekka ist einmal im Leben die Pflicht eines jeden männlichen oder weiblichen Erwachsenen, dessen Gesundheit und Mittel dies erlauben, oder, mit den Worten des Qur´an: "für jene, die den Weg dahin machen können."  Sie ist keine Pflicht für Kinder, obwohl manche Kinder ihre Eltern auf dieser Reise begleiten.
Bevor er sich auf den Weg macht, soll der Pilger alles Unrecht wiedergut-machen, alle Schulden begleichen, genug Geld für sich unterwegs und auch für die Versorgung seiner Familie zu Hause, solange er fort ist, einplanen, und sich selbst auf gutes Benehmen während der gesamten Pilgerreise vorbereiten.
Wenn die Pilger die Hağğreise unternehmen, folgen sie den Fußstapfen von Millionen vor ihnen.  Heutzutage erreichen hundert tausende Gläubige aus über 70 Ländern Mekka von der Straße, dem Meer oder aus der Luft, sie machen eine Reise, die jetzt um einiges weniger anstrengend ist, als es häufig in der Vergangenheit war.
Bis ins 19. Jahrhundert bedeutete die lange Reise nach Mekka noch, als Teil einer Karavane zu reisen.  Es gab drei Hauptkaravanen: die ägyptische, die in Kairo gebildet wurde; die irakische, die aus Baghdad loszog und die syrische, die nach 1453 in Istambul startete, Pilger auf dem Weg sammelte und über Damaskus nach Mekka reiste.
Da die Hağğreise Monate dauerte, wenn alles gut verlief, trugen die Pilger die Versorgung, die sie brauchten mit sich, um sich auf ihrer Reise zu versorgen.  Die Karavanen wurden sorgfältig mit Annehmlichkeiten und Sicherheiten ausgestattet, wenn die Reisenden reich waren, aber den Armen ging oft die Versorgung aus, und sie mussten ihre Reise unterbrechen, um zu arbeiten, wieder Geld zu sparen und dann ihre Reise fortzusetzen.  Daraus resultierten lange Reisen, die in manchen Fällen zehn Jahre und mehr dauerten.  Reisen in früheren Zeiten war ein Abenteuer.  Die Straßen waren häufig aufgrund der Räuberbanden unsicher.  Das Land, das die Pilger durchqueren mussten, war auch gefährlich, und sowohl natürliche Gefahren als auch Krankheiten kosteten vielen schon auf dem Weg das Leben.  Daher war die erfolgreiche Rückkehr der Pilger zu ihren Familien ein Anlass für freudige Feiern und Dankbarkeit für ihre sichere Ankunft.
Angelockt von der mystischen Ausstrahlung Mekkas und Medinas haben seit dem 15. Jahrhundert viele Westler diese beiden heiligen Städte besucht, zu denen die Pilger streben.  Manche von ihnen gaben sich als Muslime aus; andere, die wirklich konvertiert waren, kamen, um ihre Pflicht zu erfüllen.   Aber sie alle scheinen durch ihre Erfahrungen sehr bewegt zu sein, und viele berichteten ihre Eindrücke von dieser Reise und den Ritualen der Hağğ in faszinierenden Erzählungen.  Es existieren viele Hağğ -Reiseberichte in den unterschiedlichsten Sprachen, so wie die Pilger selbst auch.
Die Pilgerreise findet jedes Jahr zwischen dem 8. und 13. Tag des Dhul-Hiğğah statt, dem 12. Monat des muslimischen Mondkalenders.  Ihr erster Ritus besteht in dem Anlegen des Ihram.
Der Ihram, den die Männer tragen, ist ein weißes, saumloses Kleidungsstück, das aus zwei Teilen Stoff oder Frottee besteht, eines davon bedeckt den Körper von der Taille abwärts bis zu den Knien, und das andere wird sich um die Schulter geschlungen.  Diese Art der Bekleidung verwendeten Abraham und Muhammad.  Frauen kleiden sich so, wie sie es normalerweise tun.  Die Köpfe der Männer dürfen nicht bedeckt sein; sowohl Männer als auch Frauen dürfen einen Sonnenschirm benutzen.
Der Ihram ist ein Symbol der Reinheit und der Abwendung von schlechten und weltlichen Angelegenheiten.  Er weist auch auf die Gleichheit aller Menschen in den Augen Gottes hin.  Wenn der Pilger seine weiße Tracht trägt, tritt er oder sie in den Status der Reinheit ein, der Streiten, Gewalt gegen Mensch oder Tier und eheliche Beziehungen verbietet.  Wenn er einmal seine Hağğ-Bekleidung angelegt hat, kann sich der Pilger nicht mehr rasieren, seine Nägel schneiden oder Schmuck tragen, und er wird seine ungenähte Kleidung anbehalten, bis er die Pilgerschaft beendet hat.
Ein Pilger, der sich bereits in Mekka aufhält, beginnt seine Hağğ in dem Moment, wo er seinen Ihram anlegt.  Manche Pilger, die von weiter herkommen, sind bereits zuvor mit ihrem Ihram in Mekka angekommen und könnten ihn noch immer tragen.  Das Anlegen des Ihram wird von der anfänglichen Anrufung derHağğ begleitet, der Talbiyah:.     
“Hier bin ich, o Gott, zu Deinem Befehl.  Hier bin ich, zu Deinem Befehl.  Du hast keinen Teilhaber; hier bin ich zu Deinem Befehl!  Alles Lob und alle Huld und alle Herrschaft sind Dein!  Du hast keinen Teilhaber!”
Die donnernden, melodischen Rufe der Talbiyah hört man nicht nur in Mekka, sondern auch in der Nähe der heiligen Stätten, die mit der Hağğ verbunden sind.  
Am ersten Tag der Hağğ schwärmen die Pilger von Mekka aus nach Mina, ein kleines unbewohntes Dorf östlich der Stadt.  Während sich ihre Massen in Mina verstreuen, verbringen die Pilger im allgemeinen ihre Zeit mit Meditation und Gebeten, wie es der Prophet bei seiner Pilgerreise auch getan hat.
Während des zweiten Tages, dem 9. Dhul- Hiğğah, verlassen die Pilger Mina um zur Ebene von Arafah zu ziehen, wo sie rasten.  Dies ist der zentrale Ritus der Hağğ.  Wenn sie sich hier versammeln, erinnert sie die Versammlung der Pilger und das Stehen an den Tag des Gerichts.  Einige von ihnen sammeln sich auf dem Berg der Gnade, wo der Prophet seine unvergessliche Abschiedsrede gehalten hat, in der er weitreichende religiöse, wirtschaftliche, soziale und politische Reformen verkündet hat.  Dies sind emotional geladene Stunden, welche die Pilger im Gottesdienst und mit Bittgebeten verbringen.  Viele bitten Gott unter Tränen um Vergebung.  An dieser heiligen Stelle erreichen sie den Gipfel ihrer religiösen Leben, denn sie fühlen die Anwesenheit und Nähe eines gnadenvollen Gottes. 
Die erste Engländerin, die Hağğ verrichtete, Lady Evelyn Cobbold, beschrieb 1934 die Gefühle der Pilger am Berg Arafah.
“Es würde einen Meisterstift brauchen, um die Szene zu beschreiben, ergreifend in ihrer Intensität, dieses große Zusammentreffen der Menscheit, von der ich eine kleine Einheit bilde, vollkommen verlassen in dieser Umgebung, in der feurigen Hingabe von religiösem Enthusiasmus.  Viele der Pilger rannen Tränen aus den Augen, andere erhoben ihre Gesichter zum sternenhellen Himmel, in den letzten Jahrhunderten schon so oft Zeuge dieses Dramas geworden ist.  Die strahlenden Augen, die leidenschaftlichen Appelle, die bemitleidenswert ausgestreckten Hände im Gebet bewegten mich auf eine Weise, wie nichts zuvor und sich fühlte mich in einer starken Welle spiritueller Verzückung.  Ich war eins mit dem Rest der Pilger in einem unvergleichlichen Akt der vollständigen Auslieferung unter den Erhabensten Willen, das ist Islam.”
Sie fährt fort, die Nähe, die die Pilger zum Propheten fühlen, während sie in Arafat stehen, zu beschreiben:.
“...wie ich neben der Granitsäule stehe, fühle ich, dass ich mich auf heiligem Boden befinde.  Ich sehe vor meinem inneren Auge den Propheten, wie er vor den weinenden Massen seine Letzte Predigt hält, vor über dreizehn Jahrhunderten.  Ich stelle mir die vielen Prediger vor, die zu den unzählbaren Millionen, die sich auf dieser Ebene schon versammelt haben, bereits gesprochen haben, denn dies ist der Höhepunkt der Großen Pilgerreise.”
Vom Propheten wird berichtet, dass er Gott um die Vergebung der Sünden der Pilger, die sich bei Arafah versammelt haben, gebeten habe – und dieser Wunsch wurde ihm gewährt.  Daher bereiten sich die hoffnungsvollen Pilger darauf vor, diese Ebene freudig zu verlassen, sie fühlen sich neugeboren, frei von Sünden, und beabsichtigen, ein neues Blatt aufzuschlagen.